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Der Brunnenbau in Antanamivony 2005

Anfang Mai 2005 erreichte uns ein Hilferuf.
Ein Dorf hat Billharziose, alle Einwohner sind erkrankt.
Auch die Kinder.
Es sind 342 Dorfbewohner, 70% Kinder
.

Am 13.05.2005 fuhren wir selbst zum ersten Mal ins Dorf, um uns ein Bild zu machen.

 
In dem Minibus sind Plätze normalerweise für 10 Personen vorgesehen. Ich zählte 24 Erwachsene und einige Kinder.

Lalao und ich, trotzdem war die Stimmung gut. Wir waren alle aufgeregt und gespannt.

  Endlich kamen wir in Maravoay an.

Die Stadt war heiß, staubig und lebendig. Unsere ersten Schritte dienten dem Ziel ein Auto zu organisieren, um zum Dorf zu fahren.



Ich hatte die Idee, einen Sonnenhut zu kaufen, denn die Sonne machte uns mehr zu schaffen, als ich dachte.
Also, auf zum Markt!

 

Zufall?
Mitten in Marovoay trafen wir den Taxifahrer, der uns schon öfter zum Dorf bei Mahajanga gefahren hat.
Nach kurzer Überlegung, sagte er zu, uns zum Dorf Antanamivony zu fahren.
Ein Engel in der Not!





Noch schnell etwas essen im “Dallas” und auf gehts nach Antanamivony!

 

Heiß und staubig lag der Weg vor uns. In brütender Hitze wären wir hier gelaufen! Gut, dass wir ein Auto bekamen!

  
Vorbei an Reisfeldern ging die Fahrt. Viele Reisfelder sind ohne Wasser, die Pflanzen verdorben. Wasser fehlt.
Die harte Arbeit der Reisbauern ganz umsonst.
Stellenweise verliessen wir das Fahrzeug und hofften, der Fahrer würde die Fahrt nicht abbrechen. Eigentlich braucht man hier einen 4x4 Allrad.

Endlich sind wir da. Begrüssung im Dorf.Ganz rechts Mr. Bernard, der stellvertretende Bürgermeister.

  Neugierig wurden wir bestaunt.

 Doch schon bald kamen wir ins Gspräch.

Während wir unsere Fragen stellten, Bebe und Lalao übersetzten, fotografierte Detlef.
Mr. Bernard hörte aufmerksam zu. Er blieb die ganze Zeit über still und nachdenklich.

 Genevieve übersetzt.

 Kinder im Dorf.

 Das Dorf, sauber und idyllisch.

Dann kam der Bürgermeister hinzu. Noch einmal erklärten wir, wer wir sind, was wir wollen, dass es eine Spendenaktion in Deutschland gab, die helfen will. Dass wir versuchen wollen, ihnen zu helfen, einen Brunnen zu bekommen.
Der Bürgermeister und Mr. Bernard zeigen uns bereitwillig das Dorf.
Hier ist das Lagerhaus für den Reis. Da es zur Zeit keinen Reis gibt, den man lagern könnte, wird es als weitere Schule genutzt. Dieses Gebäude baute eine Entwicklungshilfegesellschaft mit Hilfe der deutschen KfW-Bank.



 Durst.

Der Weg zur Wasserstelle:

 
                                                                       Und immer wieder die vielen Kinder im Dorf...

 Hier soll der Brunnen gebaut werden.

Dort unten ist die Wasserstelle. Von dort holen sie das Wasser zum Trinken.



 Das Trinkwasser - Ohne Kommentar!

Verzeiht dieses großes Bild. Es wird eine lange Ladezeit brauchen, doch schaut hin. Die Kinder zeigen uns Billharziose:

 am Ohr ...


und am Kopf treten die Würmer wieder raus.



Alle sind so voller Vorfreude auf den Brunnen. Ich musste an das Gedicht von Jürgen Heimlich denken:
“..die Menschen tanzen um den Brunnen...” Das wäre schön.
Wir sagten, wenn der Brunnen steht, gibt es ein Fest!


Wir werden beim Dorfältesten empfangen. Auch er wünscht sich seit Jahren den Brunnen.
Lalao übersetzt. Rechts: Mr. Bernard, links neben ihm der Bürgermeister und Detlef.
Zum Abschluß zeigt uns der Bürgermeister die zweite Wasserstelle im Dorf:

  Die gleiche braune Brühe..
 
 Wir fahren zurück nach Marovoay.

Unterwegs sehen wir einen Brunnen, wie ihn diese Entwicklungshilfegesellschaft in einigen Dörfern gebaut hat:

 
Eine solide Konstruktion, sicherlich nicht billig. Wir werden nach dem Preis fragen!

Dann sehen wir in einem Dorf, was wir uns auch für Antanaminvony wünschen: Klares Wasser!

15.06.2005
Die Situation hat sich verändert. Wir haben mit dem Strom arge Probleme. Die Regierung hat mit Krawallen und Unruhen zu tun.
Von FID haben wir noch immer keine Nachricht. Auf Nachfragen bekommen wir die stereotype Antwort: “Wir arbeiten daran.”
Nun, es hilft nichts, Geduld ist gefragt.

Das Dorf Antanamivony wurde benachrichtigt über den Stand der Dinge. Damit auch sie wissen, dass wir warten und Geduld haben müssen.

Zwischenzeitlich läuft im Internet eine grosse Spendensammelaktion.
Viele Freunde und Internetbekannte helfen.
 

18.06.2005
Ich bekam heute eine Mail und ein Foto von Marco Marotzke. Er berichtete, dass er in seinem Biergarten an diesem Wochenende eine Spendenaktion zugunsten des Projektes “Antsika” durchführt und insbesondere Spenden für den Brunnen sammelt.
Hier ein Bild der ersten Spenderin am gestrigen Nachmittag. Heute will er die Aktion weiterführen. Bisher hat er ca. 260 Euro gesammelt. Sein Anruf kam überraschend und seine Hilfe und sein Engagement ist großartig.
Auch Alfred berichtete von einem Telefonat mit ihm.
An dieser Stelle schon mal vielen Dank!
Von FID haben wir noch immer keine Antwort, deshalb sammeln wir weiter!

 Ein kultureller Abend in Crailsheim zugunsten “Antsika”

24.06.2005
WIR HABEN DAS GELD ZUSAMMEN!!
Dank Marco aus Crailsheim und seinem Team im El Ritmo Crailsheim kamen über 900 Euro in die Box und damit können wir ohne Bedenken anfangen! Mehr zu seinem Engagement findet ihr
hier!

An dieser Stelle:
Herzlichen Dank an alle Spender !!!
Wir berichten weiter !

Am 26.06.2005 ist Nationalfeiertag. Madagascar feiert 45 Jahre Unabhängigkeit.
Wir überraschen unsere Familien mit Reis und auch das Dorf bekommt am 26.6. von uns Besuch. Wir überbringen die Nachricht, dass wir mit dem Brunnenbau beginnen und drei Säcke Reis werden wir im Gepäck haben!
 

18.07.2005
Der Vertrag liegt vor, doch der Auszahlmodus wird noch mal geändert. Ich möchte die Löhne erst nach Fertigstellung zahlen. Als Bauzeit sind 3 Wochen angegeben.Auch gibt es noch Diskussionen, da im Vertrag nicht steht, dass sie Betonringe mit Stahlstreben zu verwenden haben. Nur Beton könnten wir billiger haben.
Am Samstag fahren wir raus und sehen, wie weit sie sind.

23.07.2005
Um 9.30 Uhr ist Abfahrt. Rondro begleitet uns. Wir fahren mit den Brunnenbauern nach Antanamivony.
Am Stadtrand verlässt uns der Mut, das Taxi hat Probleme. Panne.
Was nun?
Wieder aufgeben? Nein!
Wir warten, eine Stunde, zwei Stunden.
Es ist soweit. Wir starten und fahren nach Maravaoy. Endlich angekommen, ist es 14.30 Uhr. Wir gehen etwas essen, wieder im “Dallas”.
Dann gehts weiter nach Antanamivony.
War es nun an dieser Kreuzung nach links oder an der nächsten? Wir fragen Passanten, unterschiedliche Auskünfte..
Übrigens heisst “Antanamivony” auf deutsch: “verstecktes Dorf”.
Und genauso ist es, wir verfahren uns.
Drehen irgendwann um und finden es endlich.
16.00 Uhr sind wir endlich dort. Der Brunnen ist noch nicht angefangen. Es gibt Probleme wegen der Eigentumsverhältnisse des Platzes. Der Eigentümer hat sich die Sache anders überlegt. Er will nun doch nicht zulassen, das der Brunnen auf seinem Grund und Boden gebaut wird. 
Die Brunnenbauer suchen einen anderen Platz. Wieder Diskussion mit dem Eigentümer, nein, auch dort wird es Probleme geben, also weitersuchen. Endlich einigt man sich.
Der Platz ist gewählt, allerdings liegt er höher, sie werden tiefer bohren müssen.
Wir verabreden uns mit dem Bürgermeister per Post in Kontakt zu bleiben. Genevieve war schon lange nicht mehr im Dorf. Bei uns lässt sie sich auch nicht mehr sehen.
Telefonmöglichkeiten gibt es nicht, also der Postweg über das Gemeindebüro.
Sobald wir den neuen Vertrag haben, schicken wir dem Bürgermeister eine Kopie.
 
 Abschlußbesprechung vor Ort 23.7.05

07.08.2005
Der neue Vertrag für den Brunnenbau ist unterzeichnet.
Der Brunnenbau müsste am 03.08.2005 begonnen haben. Prüfen kann ich es zur Zeit nicht.
Genevieve war da und sollte am 06.08.2005 ins Dorf fahren, Fotos machen, den Kontakt halten.
Sie kam nicht, um das Fahrgeld und Fotoapparat abzuholen. Somit weiß ich auch nicht, ob der Bau begonnen hat. Ich hoffe, die Baufirma hält ihre Zusage ein.

19.08.2005
Der Brunnen befindet sich im Bau. Mir liegt ein Schreiben vom Bürgermeister des Dorfes Antanamivony vor, dass die Leute im Dorf mit dem Brunenbau sehr zufrieden sind.
In der kommenden Woche werde ich mich selbst davon überzeugen und Fotos machen.
Genevieve, die den Brunnenbau überwachen wollte/sollte, hat sich leider nicht mehr sehen lassen.
Der Chef der Brunnenbauer berichtete, dass sie auf Wasser gestossen sind und die Bohrungen beendet sind.
Die Eltern des kleinen Jungen sind auch bereit, ihn operieren zu lassen. Kommende Woche erwarten wir sie hier in Mahajanga. Der Kontakt zur behandelnden Ärztin ist bereits hergestellt.
Ein deutscher Geschäftsmann Klaus Garbers hat spontan 100 Euro für die Behandlung des Jungen spendiert und damit dürfte auch die Versorgung während des Krankenhausaufenthaltes und die Nachbehandlung finanziell abgesichert sein.

31.08.2005
Der Brunnen ist fast fertig. Die Leute im Dorf sind sehr froh und dankbar. Das erste Wasser wird schon entnommen. Wir haben Fotos:
 Freudig zeigen sie das frische Wasser.

 Fast fertig - 30.08.2005

 Die drei wichtigsten Männer des Dorfes.

 Der Dorfälteste mit seiner Frau.

Ich habe im Moment nur Kontakt zum Dorf über den Brunnenbauer.

15.09.2005
Der BRUNNEN IST FERTIG!
Der Brunnen ist fertig. Uns erreichten die Fotos aus dem Dorf, doch noch habe ich keine Zeit, um ins Dorf zu fahren.
Ein kleines Fest haben wir versprochen zur Einweihung und das machen wir auch.
Ich glaube, wir werden schon erwartet.


 Es hat sich gelohnt ! Der Brunnen ist fertig !

 Stolz und froh sind sie...

26.09.2005

Am Samstag sind wir verabredet mit dem Brunnenbauer und dem Dorf, wir fahren nach Antanamivony,
um den Brunnen einzuweihen. Wir werden Getränke mitnehmen und zu essen und hoffen, es wird ne kleine Fete geben.
Ein Grund zu feiern ist es auf jeden Fall.
Wir hoffen, dass der kleine Joseph soweit in Ordnung ist, dass wir die Familie gleich mitnehmen können.
Marco, der Helfer in Deutschland, wird am Donnerstag eintreffen und bei diesem Fest dabei sein.


Am 01.10.2005 fand die Fete im Brunnendorf statt.
Hier einige Fotos:
 Extra eine Tafel wurde errichtet.

   
Freude überall!
 Eines der schönsten Erlebnisse in Mada!
- ohne Worte-



 Wir waren gerührt. Unbeschreiblich, diese Freude!

Wir bekamen Reis und 2 Gänse geschenkt. Rondro sagte, das ist so üblich.
Glücklich strahlend fuhren wir wieder los.
Marco, der selbst aktiv an der Spendenaktion für den Brunnen in Deutschland teilnahm, war gerade den 2. Tag in Madagascar und erlebte diese Feier mit. Er sagte, es soll nicht der letzte Brunnen sein von “Antsika!”

Oh Gott, ich kann doch keine Gans schlachten, wohin mit den Gänsen?
Erstmal nahmen wir sie mit heim, auf der Terasse am Haus verplanschten sie das Wasser und kackten alles voll.
Eine Lösung musste her.

 Wie sich später herausstellte, sind es zwei Männchen.

12.10.2005
Die Gänse haben ein neues Zuhause. Elfi Littmann hat einen Zirkel, in dem sich madagassische Frauen in die Selbständigkeit helfen. Eine Idee ist Gänse zu züchten und zu verkaufen.
Unsere zwei Gänseriche bilden den Start, sie bekommen Weibchen und werden der zucht dienen, so landen sie nicht im Kochtopf, wurde uns versichert und erfüllen einen guten Zweck.



Der Brunnenbau konnte erst durch die vielen Spenden begonnen werden.

Doch diese Hilfe war nicht umsonst.
Diese Hilfeaktion gibt auch euch etwas:

Wenn man eine Krise hat, warum auch immer, dann sollte man sich diese Aktion ins Gedächtnis rufen. Was gibt es Sinnvolleres, was ist freudiger und erfüllt mehr das Herz als so vielen Menschen wirklich zu geholfen zu haben, als zu wissen, diesen Kindern Gesundheit geschenkt zu haben durch sauberes Wasser?
Danke Euch allen!