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Es war deutlich zu hören - da weinte jemand! Maiskolberich Janosch hielt auf seinem Weg inne und lauschte. „Diese Stimme kenne ich doch?“ dachte er laut. Er lief aufgeregt in die Richtung, aus der das Geräusch kam - ohne darauf zu achten, was ihm im Wege stand. Die Grasbüschel, Blumen und Sträucher wichen erschrocken zur Seite. „Kannst du nicht aufpassen, du Tölpel?“ schrieen sie ihn böse an. Janosch reagierte nicht, sondern rannte die entstandene Schneise entlang. Er hatte Müh und Not, das Gleichgewicht dabei zu halten, denn es war sehr windig. Seine kurzen Wurzeln schafften es kaum, sich bei jedem Schritt ins Erdreich festzukrallen, damit er nicht umkippte. Er sah fesch aus mit seinem faserigen Schnurrbart, golden glänzte sein Maiskörnerkörper in der Sonne. Dann sah er sie, und seine Augen strahlten: Laura, die schöne Lauchprinzessin! Aber es wurde ihm schwer ums Herz, sie so schluchzen zu sehen. „Meine geliebte Laura, warum weinst du?“ Die Arme ausbreitend, ging er auf sie zu. Sie fiel direkt hinein, denn sie vermochte kaum noch einen Schritt zu gehen. Ihre durstigen Wurzeln hatten sich fest ins tränennasse Erdreich eingegraben, sie lösten sich nur unter großer Anstrengung. „Oh mein Janosch, wir dürfen nicht zusammen gesehen werden, mein Vater schwört sonst bittere Rache!“ jammerte sie. „Sollst du immer noch den garstigen Porree-Prinzen heiraten? Hab keine Angst, ich passe auf.“ flüsterte Janosch ihr fast ins Ohr, denn er genoss die lange Umarmung. „Nie und nimmer werde ich seine Frau!“ schrie Laura zum Himmel empor. „Nur die Deine werde ich“, flüsterte sie nun leise weiter. „So sei es denn, aber nur für einen Tag in diesem Land!“ lispelte plötzlich ein Stimmchen über dem Liebespaar. Die Gemüse-Elfe flog einen Kreis um Beide, und eine glitzernde Wolke Feenstaub rieselte dann auf sie herab. „Oh Janosch, wie schön!“ strahlte Laura. Dann wurde beiden eigenartig zumute, ihre Wurzeln vereinten sich und Lauras Knolle fing an, sich zu teilen.
„Ihr müsst euch beeilen, um die Grenze des Reiches zu überqueren, bevor der Tag herum ist!“ wisperte die Elfe nun energisch. Alle Freunde bildeten eine Schneise bis zur schwarzen Grenze: raschelnde Grasbüschel, Obstbäume mit Beifall klatschenden Äpfeln, Schoten mit kichernden Erbsen, läutende Glockenblumen und andere. Janosch und Laura liefen Hand in Hand los! Bei jedem ihrer Schritte hinterließen sie ein junges Pflänzchen, das sich stangenförmig aus der Erde rekelte, mit goldgelben Blättern. Mit letzter Kraft, sich gegenseitig stützend, erreichten Janosch und Laura die Grenze. Sie schauten sich noch einmal um und freuten sich über die vielen kleinen Pflänzchen.
„Sorte Lais sollen sie heißen, liebe Elfe - behüte sie gut. Und grüße meinen Vater herzlich von mir; sag ihm, ich bin sehr glücklich!“ Lauras Augen bestätigten es, denn sie strahlten wie zwei Sterne. Janosch nahm seine letzte Kraft zusammen, hob Laura empor und küsste sie zärtlich. „Ich liebe dich sehr, bis über den Tod hinaus!“ sagte er ebenso glücklich zu ihr. Er trug sie die letzten Schritte zur Grenze, sprang hinüber…
… und sie landeten steif, aber lächelnd, in meinem Gemüsekorb! Aus ihnen zauberte ich den leckeren Salat - und ich hatte den Eindruck, dass sich in der Schüssel jedes Maiskorn liebevoll mit einem Lauchblatt umarmte!
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